Andrea Klosowski                                 Tel.:  +49 (0) 2327 / 71812                                     mobil  +49 (0) 179 / 1264054                                      mail andreart@andreart.eu                                                         

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Erdendes und Werdendes

Die informelle Kunst von Andrea Klosowski  "Ich möchte einfach nur malen" so formuliert die Künstlerin Andrea Klosowski die Grundmotivation ihrer Arbeit. Und es klingt nach dem Bedürfnis im Prozess zu sein, im Prozess des Malens, malend zu sein.

 

Dieser Prozess führt sie zu großformatigen abstrakten Werken, in denen die Gestik des Malens selbst die Bildlinien hervorbringt, und in denen Farbe und Struktur an sich zu zentralen Themen werden. Klosowski lässt sie in Formen fließen, sich begegnen, in Dialog treten, hier und da auch aufeinander prallen. Sie arrangiert sie zu differenziert ausgearbeiteten Kompositionen in oft kompakter, teilweise auch schleierartig nebulöser Gestalt. Durch die Einarbeitung von feingliedrigem Japanpapier oder grobem Leinenstoff ausgedienter Kohlesäcke, sowie durch das Auftragen eines pastosen Strukturmittels fügt sie der Leinwand dabei häufig eine dritte Dimension hinzu.

 

Die verwendete Masse entwickelt beim Trocknen ein gewisses Eigenleben. Sie bildet feine Risse, kleine Gräben oder gar canyonartige Schluchten, die sich sternförmig ausbreiten oder zu Mosaiken zusammenfinden, eventuell erneut eine Reaktion der Künstlerin einfordern und so den Schaffensprozess zu einem Dialog zwischen Mensch und Material werden lassen.

Als Ergebnis sehen wir teilweise keramikartige, manchmal regelrecht skulpturale Bildlandschaften von zum Teil berückender Schönheit, von bewegender Dramatik, von fremd bis geheimnisvoll anmutendem Reiz.

 

"Dem Irdischen näher als den Sternen", so lautet ein Resümee über den großen Informellen, Emil Schuhmacher, und über eine Malerei, welche weniger geistig überfrachtet oder gar intellektuell verkopft ist; die eher der Intuition, vielleicht dem ominösen Unbewussten entspringt und die Farb- und Formgewebe hervorbringt, die unmittelbarer Ausdruck seelischer Gemütslagen, psychischer Befindlichkeiten sind.

 

Auch Klosowskis Kunst sieht man an, dass sie sich für das Irdische erwärmt, für den Stoff, für die Materie selbst. Gebirgsartige Bögen, häufig in Form, des in der Natur allgegenwärtigen und als Metapher vielfach deutbaren Motivs, der Spirale ziehen sich in großer Geste durch viele Bilder.   Dabei findet sie in ihrer Formensprache und in ihrer im weitesten Sinne von Naturtönen dominierten Farbigkeit zu einem anregenden, die Neugier weckenden Verhältnis von Spannung und Harmonie.

 

Eine gewisse ernste Grundstimmung prägt das Gesamtbild von Klosowskis Arbeiten. Ein dunkles Tönen, ein tiefes Brummen klingt durch viele

Kompositionen hindurch und mit etwas Mut zu großen Worten könnte man sagen: Man hört in ihnen noch der Hände schwere Arbeit. Man hört noch die Maloche, die das Ruhrgebiet geprägt hat, und in dem die Künstlerin sich verwurzelt sieht. Eine sehr irdische, kraftvolle Energie tritt dem Betrachter aus vielen ihrer Werke kunstvoll entgegen und wirkt erdend auf ihn zurück.

 

Dem Aspekt der Verdichtung, der Materialisierung maßvoll beigefügt, finden wir in Klosowskis Bildwelten aber auch einen Moment der Verflüchtigung, der Auflösung, der Sublimation in diffuse Schleiersphären. Zusammengenommen entsteht so zuweilen der Eindruck eines brodelnden Urkessels der Evolutionsgeschichte oder man möchte gar an den Augenblick denken, als es noch wüst und leer war auf Erden und der Geist Gottes über dem Wasser schwebte...

 

Die informelle Malerei gewinnt ihre Formensprache nicht so sehr aus der Abstraktion des konkret Existierenden, sondern formuliert eher Vorstufen, von noch zu Werdendem. Sie spielt in ihrer Ausschnitthaftigkeit, in ihrer Unabgeschlossenheit, in ihrer gestalterischen Offenheit, letztendlich immer auch auf den Gedanken an die Existenz einer verborgenen, im Hintergrund wirkenden, numinosen Urkraft an; auf etwas

(um mit Goethe zu sprechen), was die Welt im innersten zusammenhält. Sehr anschaulich spekulierte der Dichter Matthias Claudius einst:

 

Siehst du den Mond dort stehen?

Er ist nur halb zu sehen,

Und ist doch rund und schön!

So sind wohl manche Sachen,

Die wir getrost belachen,

Weil unsre Augen sie nicht sehen.

 

 

Auch die Kunst von Andrea Klosowski verweist - und das mit einer Spur Andächtigkeit - auf dieses, hinter allen Gefühls- und Dingwelten wirkende Etwas, von dem Manche sagen, dass es ein Nichts sei.

 

 

 

 

 

Thorsten Krawinkel

Dipl.-Chemiker, Künstler, Autor in verschiedenen kulturellen Genres